Würdigung und Danksagung

Auf Vorschlag der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften verleiht die
DR. HELMUT UND HANNELORE GREVE STIFTUNG
FÜR WISSENSCHAFTEN UND KULTUR
den Förderpreis an
Frau Dr. phil. Solveig Kristina Malatrait
Institut für Romanistik, Universität Hamburg

Frau Dr. Solveig Malatrait wurde mit einer Dissertation über "Die Amor-Motive: ihre Rezeption, Gestaltung und Funktion in der franzö-sischen Renaissancelyrik" promoviert. Auf Grund gründlicher Kenntnis der Amor-Gestalt in der Antike, ihrer Wandlungen im Mittelalter und der Neugestaltungen Amors in der italienischen und neulateinischen Dichtung ist ihr in dieser komparatistischen Studie eine umfassende Darstellung der Herkunft und der kreativen Umgestaltungen des zentralen Motivs der französischen Lyrik des 16. Jahrhunderts gelungen. Der interdisziplinäre Ansatz und die überzeugenden Textinterpretationen aus der Perspektive der modernen Diskursanalyse haben zu neuartigen, literarhistorisch bedeutsamen Ergebnissen geführt.

Hamburg, am 10. November 2000

(Dr. Helmut Greve) (Hannelore Greve)
Stiftungsvorstand

 

Danksagung von Dr. Solveig Kristina Malatrait

Sehr geehrter Herr Präsident, verehrtes Ehepaar GREVE, meine sehr geehrten Damen und Herren,

gerne schließe ich mich meinen Vorrednern an und danke Ihnen, verehrtes Ehepaar GREVE, und der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften für die Verleihung dieses Förderpreises, die ich als große Ehre empfinde. Danken möchte ich an dieser Stelle auch Frau Professor KRUSE und Herrn Professor LUDWIG, deren Unterstützung, Rat und Kritik während meines Studiums und besonders während meiner Arbeit an der Dissertation ich sehr viel verdanke.
Im Mittelpunkt meiner Dissertation stehen die Rezeption, Gestaltung und Funktion der literarischen Amor-Motive in der französischen Lyrik der Renaissance. Diese bilden allein quantitativ, aber auch durch ihren Variantenreichtum und ihre Bedeutung den zentralen Motivkomplex der Liebeslyrik dieser Zeit. Vor der modernen Reduktion der Gestalt auf den wohlbekannten Putto mit Pfeil und Bogen begegnet der rinascimentale Amor dem Leser in den verschiedensten Gestalten. So erscheint er, um nur einige Beispiele zu nennen, als mittelalterlich ausstaffierter König, als das Herz des Liebenden erobernder Feldherr, als Tyrann, als Vogel oder als böse Streiche spielendes Kind. Dabei verkörpert der vielgestaltige Gott die verschiedensten Konzeptionen der Liebe, von einem petrarkistischen Idealismus über die neuplatonische philosophische Liebe bis zu einem hedonistischen Realismus.
Meine interdisziplinär angelegte, doppelte Untersuchungsrichtung ermöglichte die Ordnung und Deutung der sich überlagernden Traditionsstränge sowie die Erfassung der komplexen Bedeutungen Amors in der Renaissance:
In einem Längsschnitt zeichnet die Arbeit die Tradition der Gestalt nach, ausgehend von dem Gott der Antike, der sich immer stärker von der Verkörperung des Gefühls zu einer eigenständigen Figur entwickelte, über die radikale Uminterpretation und Spaltung der Gestalt in zwei antinomische Figuren im Mittelalter bis zur Pluralität der Gestalten und Bedeutungen in der Renaissance. Ein komparatistisch angelegter Querschnitt zeigt durch Vergleich mit Formen und Funktionen des Motivs in der italienischen und neulateinischen Lyrik den kreativen Umgang der französischen Lyrik mit den verschiedenen Traditionen, der sich in einem spielerischen Nebeneinander verschiedener Diskurse über die Liebe ausdrückt.
Durch diese Kombination zweier Methoden, der Motivuntersuchung und der Diskursana-lyse, reiht sich die Arbeit einerseits in die Rezeptionsforschung in der Tradition ERWIN PANOFSKYs ein und stellt andererseits eine erste Anwendung der Methoden der in der Italianistik bereits etablierten Diskursanalyse nach FOUCAULT auf die französische Renaissance dar.
Seit Abschluß der Dissertation arbeite ich an meinem Habilitationsprojekt, in dessen Zentrum die italienische Literatur der Renaissance steht. Um dieses nur ganz grob zu skizzieren, kann man als sein Thema die rinascimentale Konzeption der Antike als Untersuchungsgegenstand das Theater der Zeit nennen. Dieser bislang relativ wenig erforschten Gattung, die mir gerade in ihrer fundamentalen Dichotomie zwischen dem an der Antike orientierten literarischen Anspruch und der praktizierten Theatralität des Mittelalters reizvoll scheint, wird dieser Förderpreis also zugute kommen.

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