Würdigung und Danksagung

Auf Vorschlag der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften verleiht die
DR. HELMUT UND HANNELORE GREVE STIFTUNG
FÜR WISSENSCHAFTEN UND KULTUR
den Förderpreis an
Herrn Dr. rer. nat. Michael Arndt
Institut für Technische und Makromolekulare Chemie, Universität Hamburg

Herr Michael Arndt wurde promoviert mit einer Arbeit über “Grundlagen und Mechanismen der Polymerisation von Cycloolefinen unter Verwendung homogener Ziegler-Natta-Katalysatoren”, wodurch erstmals die Struktur der mit verschiedenartigen Metallocen-Katalysatoren hergestellten, extrem hochschmelzenden und schwer löslichen Polynorbornene aufgeklärt und Rückschlüsse auf den Mechanismus der Insertion der Monomerbausteine ermöglicht worden sind. In Fortführung dieser Arbeiten gelang ihm die Synthese eines alternierend aufgebauten Copolymerisates aus Ethylen und Norbornen mit neuen, technisch interessanten Eigenschaften für optoelektrische Anwendungen, wobei in einem originellen Ansatz gezielt die Wechselwirkungen zwischen Katalysatorgeometrie und Polymerstruktur in ein Modell zur exakten Beschreibung der Copolymerisation eingearbeitet werden konnte, das mit NMR-spektroskopisch ermittelten Sequenzanalysen in vollem Einklang steht und die Voraussage der Struktur noch unbekannter Copolymere ermöglicht.

Hamburg, den 21. November 1997

(Dr. Helmut Greve)      (Hannelore Greve)

Stiftungsvorstand
 
 
Danksagung von Dr. rer. nat. Michael Arndt
 
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr verehrtes Ehepaar GREVE, meine Damen und Herren,
bevor ich mich der Thematik meiner Arbeiten zuwende möchte ich mich ganz herzlich bei der Dr. Helmut und Hannelore Greve Stiftung für Wissenschaften und Kultur als Stiftern des Förderpreises und der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften, die meine Arbeiten für förderungswürdig gehalten hat, bedanken. Mein Dank gilt gleichermaßen meinem Lehrer Prof. Dr. WALTER KAMINSKY ohne den ich heute nicht hier stehen würde.
Als KARL ZIEGLER und GIULIO NATTA 1963 für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der katalytischen Polymerisation den Nobelpreis für Chemie erhielten, schrieb der Scientific American sinngemäß: “der Polymerchemiker befindet sich nunmehr in der Rolle eines Architekten, der die verschiedensten Bausteine, miteinander verknüpfen und so eine Vielzahl neuer Werkstoffe mit völlig neuen Eigenschaftsprofilen erhalten kann”.
Durch die Verknüpfung der Bausteine erhalten wir ein Makromolekül, das wir uns im einfachsten Fall als eine Kette von identischen Gliedern vorstellen können. Sind die einzelnen Kettenglieder wie im Polyethen hochsymmetrisch und die Verknüpfungsstellen flexibel, so kann das Polymer kristallisieren, daß heißt die Kette kann unter Faltung Strukturen mit parallel angeordneten Strängen ausbilden. Ein solches kristallines Polymer zeichnet sich unter anderem durch besondere Festigkeit aus, die durch Wechselwirkungen zwischen den parallelisierten Ketten bewirkt wird. Wenn wir nun den regelmäßigen Aufbau der Ketten stören indem wir eine kleine Anzahl von sperrigen Kettengliedern statistisch verteilt in sie einbauen, wir bezeichnen dies als Copolymerisation, so beeinträchtigen diese die Ordnung. Folge ist in der Regel eine Abnahme der Kristallinität und Dichte, die mit einer Erhöhung der Flexibilität des Materials einhergeht. Gleichzeitig wird das Material transparenter, solche Materialien werden zum Beispiel als Folien im Lebensmittelverpackungssektor eingesetzt.
Die von mir bearbeiteten Cycloolefine stellen eine besondere Art von Kettengliedern dar: sie sind im Vergleich zu den Hauptbestandteilen der Kette extrem voluminös, d.h. sie führen zu besonders starken Störungen der Kristallinität; gleichzeitig sind sie jedoch außerordentlich starre Kettenglieder, d.h. sie “verfestigen” die einzelnen Ketten. Daher sind solche Copolymere transparent und gleichzeitig außerordentlich fest. Typische Anwendungsbereiche sind transparente, harte Gegenstände wie Linsen oder CD-Beschichtungen.
Je mehr rigide Monomere in die Kette eingebaut werden, desto höher wird insbesondere die Festigkeit bei höheren Temperaturen. Den Grenzfall stellt ein Polymer dar, das nur aus solch starren Bausteinen aufgebaut ist, es ist aufgrund seines extremen Eigenschaftsprofils praktisch nicht mehr verarbeitbar.
Es ist uns in den letzten Jahren gelungen verarbeitbare Hochleistungpolymere aufzubauen, indem wir Ketten erzeugen, die abwechselnd aus einem flexiblem und einem starrem Baustein bestehen. Auf diese Weise wird die rigide Kette von Cycloolefin-Polymeren flexibilisiert und somit die Verarbeitung aus der Schmelze möglich. Die alternierende ABAB-Struktur des Polymeren ermöglicht eine Kristallisation, die dem Polymer zusätzliche Festigkeit verleiht.
Zum Schluß möchte ich noch einmal zurückkommen auf den Artikel im Scientific American: der große Optimismus durch den er geprägt war, ist sicher noch immer berechtigt, doch haben sich viele “Architekten” bisher auf das Einbauen immer neuer Bausteine in die Kette konzentriert. Es scheint jedoch in der heutigen Zeit klar, daß wir allein schon aus Gründen des Recycling nicht mehr beliebige Bausteine synthetisieren und einsetzen können, sondern unser Bestreben darauf richten müssen aus möglichst einfachen Monomeren, d.h. solchen, die großtechnisch verfügbar sind und im wesentlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff aufgebaut sind, neue Werkstoffe herzustellen. Es gilt also, diese 12-15 Monomere in immer neuer Weise miteinander zu verknüpfen. Hier stehen wir auch über 40 Jahre nach Ziegler und Natta mit alternierenden Strukturen noch am Anfang. Es gibt derzeit kaum Ansätze zu Synthese von ABCABC- oder ABCDABCD-Strukturen, ja wir sind noch nicht einmal in der Lage, alle möglichen statistischen 2-Komponenten Copolymere der 15 Monomere herzustellen. Daher betrachte ich den Förderpreis als Ermutigung auch weiterhin auf diesem Gebiet zu forschen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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