Johann Albert Fabricius-Medaille

(Erläuterungen zu dieser Auszeichnung: siehe Satzung)

Das Bedürfnis, Persönlichkeiten, die sich um die Förderung der Wissenschaften, insbesondere unserer Institution, herausragende Verdienste erworben haben, mittels einer würdigen Auszeichnung zu danken, hat dazu geführt, daß wir seit 1998 über die Johann Albert Fabricius-Medaille verfügen. - Ihr Namenspatron, 1668 in Leipzig geboren und 1736 in Hamburg gestorben, kam im Alter von 26 Jahren als Famulus und Bibliothekar des Hauptpastors von St. Jacobi nach Hamburg. Später hatte er unter anderem zeitweilig das Rektorat der Hamburger Lateinschule Johanneum inne. Zu seiner Zeit ein international anerkannter Gelehrter, veranstaltete er über 40 Jahre hinweg wöchentliche Gelehrtenzirkel in Hamburg. Innerhalb des aus JUNGIUS, REIMARUS und ihm selbst im 18. Jahrhundert bestehenden Hamburger Dreigestirns hat er als der Polyhistor zu gelten.

Wir freuen uns, daß wir die neu geschaffene Auszeichnung erstmalig an unser Ehrenmitglied, Herrn Prof. Dr. HELMUT GREVE, vergeben konnten. Damit soll ein sichtbares Zeichen gesetzt werden für die von ihm mit so großer Stetigkeit und - wenn es denn sein mußte - auch mit Beharrlichkeit geleistete Förderung der Wissenschaften in unserer Hansestadt. Nicht zuletzt gilt das für die Joachim Jungius-Gesellschaft, die ohne die stets verläßlich gewesene Mitwirkung von Prof. Dr. GREVE nicht in der Lage gewesen wäre, Wesentliches voranzubringen und hierdurch in Hamburg und darüber hinaus in der Funktion einer wissenschaftlichen Akademie tätig sein konnte. Unvergessen ist der von Prof. Dr. GREVE ermöglichte, unverzügliche Brückenschlag zu den Kollegen in den sogenannten neuen Ländern nach der Wende des Jahres 1989, nach Rostock, Greifswald, Wismar und Schwerin.

 

Danksagung von Professor Dr. Helmut Greve

Herr Präsident,

vor genau zehn Jahren wurde ich in der Nachfolge von KURT HARTWIG SIEMERS zum Ehrenmitglied der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften berufen. Dies war mir stets Auszeichnung genug. Trotzdem empfinde ich es als große Ehre, nunmehr als erster die Fabricius-Medaille erhalten zu haben.
Die Anerkennung, welche die Mitgliederversammlung mit ihrem Verleihungsbeschluß zum Ausdruck gebracht hat, und Ihre Laudatio, sehr geehrter Herr Präsident, werden mir Verpflichtung sein, auch weiterhin die Ziele der Gesellschaft nach Kräften zu fördern.

Die Arbeit der Joachim Jungius-Gesellschaft zeigt sehr eindrucksvoll, daß sie mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln wissenschaftliche Qualität eines Ranges gewährleistet, der gemeinhin nur von rechtlich voll anerkannten Akademien der Wissenschaften erwartet wird. Denken wir hier zum Beispiel nur an die erfolgreiche Tagung über die "Scheidungswaisen" von 1991, deren Ergebnisse in die Familiengesetzgebung eingeflossen sind, oder aber an das hochinteressante Symposium "Kommunikationsstörungen als Krankheitsfaktor" von 1990.

Deshalb unterstütze ich seit langem den Wunsch des Präsidiums, die Gesellschaft in den Kreis der deutschen wissenschaftlichen Akademien einzureihen. Gewiß, eine solche "juristische Aufwertung" würde nicht automatisch zu einer Leistungssteigerung führen. Doch würde der Status einer Akademie der Wissenschaften größere Resonanz wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Öffentlichkeit und bei Diskussionen über Gesetzesvorgaben bewirken - von der Teilhabe an Bundesmitteln ganz zu schweigen -.

Bei den wissenschaftlichen Sitzungen der Gesellschaft habe ich mit großem Respekt erfahren, wie Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen durch sachgerechte Fragen und Akzentsetzung aus dem Blickwinkel ihres jeweiligen Forschungsgebietes wertvolle Anregungen geben können. Von dieser analytischen Denkungsart habe auch ich als Wirtschaftsunternehmer, der ich auf ganz anderen Gebieten Entscheidungen treffen muß, profitiert.

Lassen Sie mich aber auch für Hilfestellung und Rat danken, die ich im Laufe der Jahre von Mitgliedern der Gesellschaft erhielt und das uns in Sympathie und Freundschaft nahekommen ließ.

Die Wissenschaft sucht gern nach einer durch ihre Schlichtheit überzeugenden Weltformel. Die Welt ist jedoch nicht so einfach, wie wir sie gern erhoffen und glauben möchten. Richtig und Falsch, leider auch Gut und Böse lassen sich nicht widerspruchsfrei auflösen oder gar auf die Träger des Irrtums auf- und zuteilen. Es ist eine alte Erkenntnis, daß unsere Suche nach Wahrheit Stückwerk bleibt. Denn wir leben in einer Welt der Irrtümer, ja häufig sogar der bewußt herbeigeführten Täuschungen. Deshalb ist jeder durch Falsifikation bisheriger Vorstellungen erreichte Fortschritt an Erkenntnis zu begrüßen, selbst wenn dies Enttäuschung auslösen sollte; endet doch mit der Ent-täuschung die Täuschung. Mag die Wahrheit oft auch bitter sein, wer trennt sich schon gern von liebgewordenen Gewohnheiten und Anschauungen, von gemeinsam für wahr Gehaltenem? Der Prozeß der Lösung von idealisierten Vorurteilen, auch der Abschied von nicht mehr glaub-würdigen Hoffnungen kann durchaus schmerzlich sein, ist aber der einzige Weg aus dem Gefängnis von Irrtum und Irrglaube. Trösten mag uns aber das ehrwürdige und unwiderlegbare Wort: "Die Wahrheit wird Euch freimachen".

Danke.